Mittwoch, 11. Januar 2017

Die einzig wahre FOXES

"Foxes", 21 x 29,7 cm, Bleistift auf Bristolboard, 2016

 Hallo liebe Leser,

ich bin mal wieder etwas verspätet dran mit dem Bilder-Hochladen.
Diese Zeichnung hier habe ich zu Weihnachten an mein Schwesterherz verschenkt. Zu sehen ist die Sängerin Foxes; wer sie nicht kennt, sollte mal auf ihrer Website vorbeischauen!
Ich weiß nicht so recht, ob ich meine Posts irgendwie interessanter machen könnte? Ich kann gar nicht einschätzen, wie viele Leute sie sich wohl so anschauen...
Schaut ihr euch irgendwas von meinen Sachen besonders gern an? Porträts oder freiere Zeichnungen? Kritzelkram? Experimente?

Bald ist Wochenende!
Bis dahin gutes Durchhalten :)

- Miriam


Freitag, 6. Januar 2017

Elias und Laia 2 - Sabaa Tahir

Rezension zu
"Elias und Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht"
von Sabaa Tahir

 Hardcover, 512 Seiten 
Bastei Lübbe (one by Lübbe), 11. November 2016
ISBN-13: 978-3846600382
Preis: 17,00 €
Originaltitel: A Torch Against the Night
Band 2

Mehr Infos & Bestellmöglichkeit

Worum geht's?


Elias war eine Maske, nun ist er ein Gejagter. Nicht nur seine Mutter, die Kommandantin von Schwarzkliff, trachtet ihm nach dem Leben, auch der Imperator hat seinen Blutgreif auf ihn angesetzt - Elias' beste Freundin Helena.

Laia ist es gelungen, Elias vor der Hinrichtung zu bewahren und ihn für die Rettungsaktion zu gewinnen, ihren Bruder aus dem Gefängnis in Kauf zu befreien. Auf der Reise dorthin entdeckt sie an sich selbst eine neue, beunruhigende, aber auch mächtige Fähigkeit.

Helena hat viel verloren und noch immer viel zu verlieren. Als rechte Hand des Imperators steht sie unter dessen Befehl und soll eine Mission ausführen, die ihr unmöglich erscheint: Elias töten.

Was mich neugierig gemacht hat:


Der erste Band von "Elias und Laia" war 2015 mein Jahreshighlight und demnach war "Eine Fackel im Dunkel der Nacht" eine mehr als heiß ersehnte Fortsetzung, die ich unbedingt lesen wollte.

Wie es mir gefallen hat:


Es ist immer schwer, an ein geniales Buch anzuknüpfen. "Die Herrschaft der Masken" hatte mich unglaublich fasziniert, und ich habe den zweiten Band mit gemischten Gefühlen beendet.
In einigen Punkten hat Sabaa Tahir sich noch mal übertroffen, in anderen war ich ein wenig enttäuscht von den Entwicklungen.

Ich konnte gut wieder in die nahtlos fortgeführte Handlung hineinfinden, mich aber nicht an alle Details erinnern und hätte an der einen oder anderen Stelle einen kleinen Rückblick brauchen können.

Eine der größten Stärken der Geschichte ist die unterschwellige Bedrohung, die niemals ganz verschwindet, die Spannung und das Wissen, dass die Autorin ihre Charaktere niemals schont und sie immer wieder große Opfer bringen lässt. Dieser Linie bleibt auch Band 2 treu - wieder muss man mitbangen, mitleiden und auch Abschied nehmen.

Die Hintergrundwelt bleibt so schillernd wie atmosphärisch, so detailliert wie erbarmungslos. Da unsere Protagonisten viel unterwegs sind, lernen wir in diesem Teil ganz neue Schauplätze kennen wie die Oasenstadt Nur oder Kauf, das düstere, todbringende Gefängnis, in dem Laias Bruder inhaftiert ist.

Was die Charaktere angeht, findet eine gewisse Verschiebung statt.
Helena bekommt ihre eigene Ich-Perspektive, was mich sehr gefreut hat. Ihre Geschichte wird dadurch noch vielschichtiger, weil man Einblicke in ihre Gefühlswelt bekommt.
Dafür war Laia für mich nicht so greifbar wie noch im ersten Band - vielleicht eben gerade dadurch, dass Helena nun gegen sie als Figur stärker wirkt. Laia ist ein wenig passiv geworden und man hat das Gefühl, dass sie leicht in den Hinterhalt zu locken ist und sich etwas hängen lässt.

Nicht so gut gefallen haben mir die neuen Fantasyelemente: Laia entwickelt eine Fähigkeit, die in meinen Augen irgendwie nicht so gut zur Atmosphäre des Buches passt, und Elias verbringt viel Zeit in der Zwischenstatt, wo er toten Seelen begegnet, die nicht weiterziehen können. Letzteres ging mir persönlich zu sehr in Richtung Mystery und wäre als Handlungsstrang nicht zwingend gebraucht worden.
Generell habe ich das Gefühl, dass die Geschichte sich in viele unterschiedliche Stränge aufgesplittet hat und man aufpassen muss, dass einem nichts entgeht. Da sind die Dschinns und der Nachtbringer, die Vergangenheit von Laias Eltern im Widerstand, die verzwickte Beziehung zwischen Helena und Elias, Darins Bedeutung für die Kundigen und sein geheimes Wissen, die Zwischenstatt und alles, was sich dort mit der Seelenfängerin abspielt, die Intrigen der Kommandantin, Marcus' Schachzüge, die Auguren, ... - in jedem Fall eine komplexe Reihe.

Obwohl einzelne Aspekte diesmal meinen Geschmack nicht so getroffen haben, wie Band 1 es geschafft hat, ist auch der zweite Teil ein beeindruckender Roman, den ich gern gelesen habe.

(Für wen) Lohnt es sich?


Für alle, die Band 1 mochten, ist dieses Buch natürlich ein Muss. Ich denke nach wie vor, dass es frühestens ab 14 Jahren geeignet ist.
Den Auftakt der Reihe sollte man gelesen haben, um der Handlung folgen zu können.
 

In einem Satz:


Mit "Elias und Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht" legte Sabaa Tahir eine würdige Fortsetzung vor, die Helenas Geschichte mit in den Fokus nimmt, voller unerwarteter Wendungen steckt und trotz kleinerer Kritikpunkte in ihren Bann ziehen kann.

 

Herzlichen Dank an Bastei Lübbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Montag, 2. Januar 2017

Lena in Love 1 - Sina Müller

Rezension zu "Lena in Love - Tanz mit mir"
von Sina Müller


eBook, Taschenbuch, 304 Seiten
Selfpublishing, Books on Demand (9. November 2015)

ISBN-13: 978-3738655193
Preis: 3,99 € (bzw. Print 11,90 €)
Band 1

Worum geht's?


Lena ist sechzehn und muss noch ein Jahr Schule durchstehen, bevor sie endlich ihren großen Traum verwirklichen kann: eine Tanzausbildung an der Motion Dance Academy.
Nachdem ihr letzter Freund Ben sie nur ausgenutzt hat, hat Lena das Gefühl, nun endlich den Richtigen gefunden zu haben, als sie Noah begegnet. Doch dann meldet er sich einfach nicht mehr. Als sie ihn unerwartet wiedersieht und zur Rede stellen will, stellt sich heraus, dass sie gar nicht Noah vor sich hat - sondern seinen Zwillingsbruder! Und das ist erst der Anfang des Gefühlschaos ...

Was mich neugierig gemacht hat:



Ich hatte die Reihe schon öfter mal beim Bücherstöbern online gesehen, mir aber nicht näher angeschaut, weil Tanzen gar nicht so mein Thema ist und ich ja sonst mehr im Fantasy- und Dystopienbereich unterwegs bin. Als dann aber Blogger für eine Tour zu den ersten beiden Bänden gesucht wurden, wollte ich echt gern dabei sein - meinen Beitrag zum Thema "Lebensträume und -ziele" könnt ihr HIER noch nachlesen.
Lustigerweise kenne ich Sina Müller noch von einem Schreibwettbewerb, bei dem wir beide in der Kategorie Expertenpreis gewonnen hatten :)

Wie es mir gefallen hat:


Gleich zu Beginn muss ich zugeben: zu der Protagonstin Lena habe ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis entwickelt. Sie hat auf mich einen etwas leichtlebigen Eindruck gemacht. Sie macht sich nicht viele Gedanken, lebt im Moment, lässt schleifen, was ihr keinen Spaß macht, und reflektiert selten, was ihr Verhalten für Folgen haben kann. Ich glaube, sie wäre jemand, mit dem ich mich im wahren Leben nicht unbedingt gut verstehen würde. Allerdings ist sie natürlich gerade mit ihrer impulsiven Wesensart ein sehr gut ausgearbeiteter Charakter.

Was mich überrascht hat, war, dass so wenige Szenen tatsächlich direkt mit Lenas großer Leidenschaft für das Tanzen zu tun hatten. Ich kann mir vorstellen, dass jemand, der sich für dieses Thema interessiert, in dem Punkt ein wenig enttäuscht sein könnte. Mir selbst hat das aber nichts ausgemacht, da ich mich in dem Bereich sowieso nicht so gut auskenne und lieber die Gedanken und Gefühle von Figuren mitverfolge, auf denen hier definitiv der Schwerpunkt liegt.
Verwirrt war ich darüber, dass Lena selbst immer über ihre "Tanzerei" geredet hat - das ist in meinen Ohren ein eher abfälliger Begriff.

Neben Lena als Erzählerin gibt es noch eine weitere Ich-Perspektive, die von Noah. Seine Kapitel habe ich immer noch einen Ticken lieber gelesen, da ich ein Faible für komplizierte, ein bisschen tragische Charaktere haben, und genau das ist er. Noah hat viele Seiten - er ist draufgängerisch, aber auch verletzlich, selbstbewusst, aber auch voller Zweifel an sich.

Was Noahs Bruder Luca betrifft, hätte ich mir noch ein bisschen tieferes Konfliktpotenzial gewünscht. Das klingt vielleicht seltsam, da der Konflikt, dass Lena zwischen die Zwillinge gerät, ja schon an sich sehr stark ist. Luca ist aber so gestaltet, dass man ihm als Leser immer irgendwie mit einem eher unguten Gefühl gegenübersteht. Spannender wäre es für mich gewesen, wenn er wirklich auch ein richtiger Sympathieträger wäre und besser mit Lena harmoniert hätte. Das hätte ihr Dilemma auf jeden Fall verstärkt und für mehr Unvorhersehbarkeit gesorgt.

Alles in allem hatte ich ein paar kurzweilige Lesestunden und mag den Schreibstil von Sina Müller sehr. Ich bin froh, dass Band 2 schon erschienen ist, da das Buch mitten in einem Konflikt endet, und ich bin gespannt, wie es weitergehen wird und wie die Figuren sich noch entwickeln.

(Für wen) Lohnt es sich?


Ich würde das Buch für Jugendliche ab ca. 14 Jahren empfehlen, die gerne verwickelte Liebesgeschichten mit viel Herzschmerz und Dramatik mögen und Lust haben, das ganze aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu lesen.
 

In einem Satz:


"Lena in Love - Tanz mit mir" ist ein unterhaltsamer Reihenauftakt, in dem das Tanzen etwas in den Hintergrund, die Liebesgeschichte aber umso mehr in den Fokus rückt.




 Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Blogtour an die Autorin und die CP-Ideenwelt!

Samstag, 31. Dezember 2016

Jahresstatistik 2016

2016 in Büchern


Und wieder ist es Silvester, wieder an der Zeit für einen büchertechnischen Rückblick auf mein Jahr. Wie gewohnt gab es Ende Juni bereits meine Halbjahresstatistik - mal sehen, wie viele gelesenen Bücher seitdem hinzugekommen sind, wie viele Neuzugänge (ich fürchte, einige :D) und Rezensionen.

Mit insgesamt 79 Posts (inklusive diesem hier) haben wir im Durchschnitt immerhin anderthalb mal pro Woche gebloggt und damit insgesamt etwas mehr als letztes Jahr. Steigerungsbedarf besteht natürlich trotzdem noch :)

Gelesen und Getourt


Im ersten Halbjahr von 2016 hatte ich 25 Bücher gelesen (gegenüber 18 im Vorjahr) und größtenteils auch rezensiert.
Dazu gekommen sind noch einmal 20, sodass ich in 2016


45 gelesene Bücher

habe - das sind stolze 12 mehr als in 2015. Bis auf eine Handvoll sind auch zu allen bereits Rezis hier auf dem Blog zu finden.

Ich habe an 
14 Leserunden und 6 Blogtouren 

teilgenommen und dadurch einige schöne Bücher entdecken können. Highlights waren z.B. 

2015 war ich mit je nur zwei Leserunden und Blogtouren deutlich weniger im Social Reading unterwegs gewesen.


Die Top 7

Meine Top 7 (haha, immerhin eins weniger als letztes Jahr) sind wie immer nicht leicht auszusuchen gewesen. Meine drei Highlights aus der Halbjahresstatistik sind auch wieder dabei. Die Reihenfolge hat nur bedingt etwas zu sagen, da diese Bücher wirklich alle sehr sehr sehr gut waren (mit Klick auf den Titel gelangt ihr zu der jeweiligen Rezi).


Platz 7

"These Broken Stars" von Amie Kaufman & Meagan Spooner (Rezension folgt noch). Ein galaktisches Abenteuer mit zwei Protagonisten, die beide aus der Ich-Perspektive erzählen und ein wunderbares Gespann bilden.

Platz 6
 
"Black Rabbit Hall" von Eve Chase entführt den Leser in die Vergangenheit einer Familie, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart hineinreichen, und lässt zwischen Unglücksfällen und menschlichen Fehlern immer wieder Hoffnungsschimmer aufglühen, die zeigen, dass auch aus Schlimmem Gutes entstehen kann.






Platz 5
"Goddess of Poison" von Melinda Salisbury setzt mehr auf ruhige Töne als auf Actionszenen, überzeugt  durch die faszinierend andersartige Hintergrundwelt und eine fesselnde Atmosphäre und ist gerade durch seine Einzigartigkeit absolut lesenwert.

Platz 4

"Throne of Glass - Erbin des Feuers" von Sarah J. Maas:
Ich LIEBE die "Throne of Glass"-Reihe und auch der dritte Teil hat mir wieder sehr gut gefallen, auch wenn mich die Handlung rund um die Hexe Manon auf Dauer ein bisschen genervt hat.

Platz 3

"Falling Kingdoms - Lodernde Macht" von Morgan Rhodes:
Und noch ein 3. Band: Auch die Fortsetzung von "Falling Kingdoms" konnte mich mit vielen Verwicklungen, Intrigen und Magie wieder voll und ganz mitreißen. 
 
Platz 2

"Love & Confess" von Colleen Hoover - ein Buch über tiefe Emotionen, Geständnisse und Geheimnisse, von Opferbereitschaft und dem Halt und der Kraft, die Menschen einander geben können.

Platz 1

"Die Hüterin der Geschichten" von Lisa Wingate - eine ruhige aber umso intensivere Geschichte über die Macht von Geschichten, über Glaubensfragen, die Schwere unglücklicher Umstände und die Schattenseiten von Familien, aber auch über die Chance von Neuanfängen.

Alles sehr unterschiedliche Bücher, die mich jeweils auf ihre eigene Weise begeistern konnten.
Auch neben den genannten hat mir eine Reihe Titel besonders gut gefallen oder ist mir teilweise einfach als besonders bemerkenswert aufgefallen:
Juli - Dezember:

Meine größte Buchüberraschung im zweiten Halbjahr war "Eines Tages werden wir tanzen" von Denise Hunter. Ich hatte einen typischen Liebesroman erwartet (was eigentlich nicht so mein Ding gewesen wäre), aber das Buch war viel mehr als das - richtig humorvoll, einfühlsam und toll zu lesen. Mehr dazu in der verlinkten Rezension.

Mein persönlicher Flop des Jahres 2016 ist "Wie Schneeflocken im Wind", ebenfalls von Denise Hunter. Ich hatte gedacht, nachdem ich mit meinem ersten Buch der Autorin so ein positives Erlebnis hatte, würde ich hier auch nicht enttäuscht werden, aber es war dann ganz anders und konnte mich nicht wirklich fesseln.
leider





Neu eingezogen sind, besonders im Vergleich zu 2015, unglaublich viele neue Bücher. Ich habe:

109 Print- und ca. 20 eBook-Neuzugänge

Darunter finden sich wunderwunderwunderbare Titel, auf die ich mich schon riesig freue. Wenn ich mein Lesepensum aufrechterhalten kann und ab jetzt keine neuen Bücher bekomme, sollte ich in zwei Jahren mit allem durch sein :D :D :D

Die Verteilung der Printbücher, die bei mir 2016 ein Zuhause gefunden haben, sieht so aus:
  • 27 ertauschte Bücher (über Lovelybooks, Tauschticket usw.) 
  • 27 Reziexemplare (inkl. Leserunden- und Blogtourexemplare) 
  • 21 Buchgewinne (bei Verlosungen, Blogtouren, Aktionen etc.)
  •  20 Buchkäufe (neu und gebraucht)
  •  9 Buchgeschenke (von Freunden und Verlagen sowie dem Weihnachtswichteln)
  •  5 Bücher im Rahmen der Arvelle-Testaktion 

War 2016 für euch bücherreich?

Habt ihr Bücher wiederentdeckt, die ihr in diesem Jahr auch gelesen habt? Und habt ihr auch viele Neuzugänge gehabt?

Einen guten Rutsch wünscht euch

Evelyn

Dienstag, 27. Dezember 2016

Realitätsgewitter - Julia Zange

  Rezension zu "Realitätsgewitter" von Julia Zange

Hardcover, 157 Seiten
Aufbau Verlag (14. November 2016)
ISBN-13: 978-3351036584

Worum geht's?


"Weißt du, Marla, das Problem ist, wenn man verzweifelt ist, dann kann man nicht präsent sein. Weil man so sehr auf der Suche ist, dann ist man eigentlich gar nicht richtig da." (S. 91)

Marla ist ein Mädchen aus Berlin, wo sie ein Leben führt wie viele andere ihrer Generation - ziellos im Wald der Möglichkeiten, einsam in der Masse, immer online, aber nie glücklich. Die Beziehungen zu den Menschen, die sie kennt, sind oberflächlich und immer von mindestens einer Seite eigennützig. Tief im Inneren spürt sie Traurigkeit und Leere. Ob es einen Weg gibt, in alldem für ein neues Gefühl Platz zu schaffen?

Was mich neugierig gemacht hat:


Es war die Thematik des Buches, die mich dazu gereizt hat, mich bei einer Verlosung des Verlags zu beteiligen, und ich hatte Glück. Ich bin immer offen für Bücher, die sich mit Fassaden von Menschen und Tendenzen unserer Zeit und meiner Generation befassen, und habe hier auf eine authentische und tiefsinnige Geschichte gehofft.
Cover und Titel finde ich persönlich auch sehr ansprechend.

Wie es mir gefallen hat:


Sollte ich dieses Buch mit einem Adjektiv beschreiben, würde ich vermutlich am ehesten "speziell" wählen.
"Realitätsgewitter" ist keine schöne Geschichte, aber eine, die schonungslos die Orientierungslosigkeit vieler Menschen in unserer modernen Gesellschaft beleuchtet, Menschen wie Marla. Es werden Wahrheiten formuliert, die oft erschreckend sind, und emotionale Kälte dringt immer wieder zwischen den Zeilen hindurch.

Ich kann nicht behaupten, dass ich mich mit Marlas Lebensstil identifizieren kann, aber ich habe Menschen erlebt, von denen ich glaube, sie könnten ihr ähnlich sein, und es war interessant, meine Beobachtungen bei dieser Protagonistin wiederzufinden.

Das Buch hat keinen großen Umfang und ist in einem klaren, direkten Stil geschrieben, der sehr echt wirkt. Man hat den Eindruck, sich wirklich unmittelbar in Marlas Gedanken- und Gefühlswelt zu befinden, auch wenn man sich selbst nicht immer dort zurechtfinden mag.

Mit den bisher genannten Punkten hat dieses Buch es geschafft, mich zu beeindrucken und ins Grübeln zu bringen. Es ist eine Art Kunstwerk, das man während des Lesens zu verstehen versucht.
Ab dem Punkt, an dem Marla in ihr Heimatdorf zurückreist (und dann, wie schon der Klappentext verrät, nach Sylt) bin ich leider ein wenig ausgestiegen. Marlas familiäre Hintergründe bringen die Geschichte auf eine andere Schiene. Ich hätte es ehrlich gesagt besser gefunden, wenn es auf einer weniger persönlichen, individuellen Ebene geblieben wäre. So hatte ich den Eindruck, dass Marlas private Vorgeschichte als Erklärung für Dinge dienen soll, die auch viel banalere Ursachen haben können.
Das Ende fand ich passend, den Weg dorthin aber nicht bis ins Detail überzeugend und nachvollziehbar.

(Für wen) Lohnt es sich?


"Realitätsgewitter" ist sicherlich kein Buch für jeden. Man muss sich auf einen ungeschönten Blick auf das Leben einer nicht einfachen Protagonistin einlassen können. Gelingt einem das, kann man aber einiges an Stoff zum Nachdenken mitnehmen.
Ich vermute, dass es, je älter man ist, desto schwieriger wird, der Geschichte etwas abzugewinnen, da die Sicht auf Marla sehr eng damit verknüpft ist, ob man die Lebensumstände junger Menschen heute nachempfinden kann.
 

In einem Satz:


Ich sehe "Realitätsgewitter" in einer Funktion als Spiegel einer bestimmten Problematik unserer Zeit als durchaus aussagekräftig und authentisch, hätte mir den Verlauf der Geschichte aber etwas anders vorgestellt und gewünscht.


Herzlichen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Das dunkle Herz des Waldes - Naomi Novik

 Rezension zu "Das dunkle Herz des Waldes"
von Naomi Novik


Hardcover, 576 Seiten
cbj (21. November 2016)

ISBN-13: 978-3570172681
Preis: 17,99 €
Originaltitel: Uprooted
Standalone

Worum geht's?


Es gab zu viel von ihr. Sie hätte jedes Loch, das wir in der Welt aufreißen würden, ausfüllen können, und es wäre trotzdem noch etwas von ihr übrig geblieben. Sie war der Dunkle Wald, der Dunkle Wald war sie. Ihre Wurzeln reichten zu tief. (S. 507)

Agnieszka liebt das Tal, in dem sie lebt: das beschauliche Dorf und den silbern glänzenden Fluss. Doch jenseits des Flusses liegt der Dunkle Wald, ein Hort böser Macht, der seine Schatten auf das Dorf wirft. Einzig der »Drache«, ein Zauberer, kann diese Macht unter Kontrolle halten. Allerdings fordert er einen hohen Preis für seine Hilfe: Alle zehn Jahre wird ein junges Mädchen ausgewählt, das ihm bis zur nächsten Wahl dienen muss – ein Schicksal, das beinahe so schrecklich scheint wie dem bösen Wald zum Opfer zu fallen. Der Zeitpunkt der Wahl naht und alle wissen, wen der Drache aussuchen wird: Agnieszkas beste Freundin Kasia, die schön ist, anmutig, tapfer – alles, was Agnieszka nicht ist. Niemand kann ihre Freundin retten. Doch die Angst um Kasia ist unbegründet. Denn als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia, sondern Agnieszka.
(Klappentext des Verlags) 

Was mich neugierig gemacht hat:


Neben dem Genre und der Stimmung des Covers war es vor allem der Klappentext, der mich hier sofort überzeugt hat. Ausnahmsweise habe ich denselben deshalb oben auch übernommen, statt die Worum geht's?-Frage selbst zu beantworten, weil ich ihn wirklich genial getroffen finde - er macht super neugierig, spoilert aber nicht.

Wie es mir gefallen hat:


Es gibt diese Bücher, die man nach dem Lesen mit einem zufriedenen Lächeln zuschlägt und ins Regal stellt. Mit genau so einem Buch haben wir es bei "Das dunkle Herz des Waldes" zu tun.
Hatte ich während des Lesens auch ab und zu das Gefühl, dass einzelne Dinge ein wenig hätten gestrafft werden können, fügt sich im nachträglichen Gesamteindruck alles gut zusammen.
Ganz besonders gut gefallen hat mir das Ende. Es ist nicht leicht, eine Geschichte so treffend und schön abzurunden.

Mit seinen fast 600 Seiten hat das Buch mir einiges an Lesezeit beschert. Insgesamt ist das Erzähltempo eher ruhig und erreicht in mehreren Wellen verschiedene Spannungspunkte.
Im Grunde geht es von Beginn an um den Kampf gegen den Dunklen Wald, doch in dessen Verlauf ergeben sich immer wieder neue Herausforderungen und Abenteuer.

Sehr gelungen ist die Darstellung von Magie. Ich finde, dass es in vielen Büchern schwierig ist, sich vorzustellen, wie man sich die jeweilige Magie vorzustellen hat, wie sie sich anfühlt oder wie sie gewirkt wird. Naomi Novik zeigt sich als Meisterin in dieser Disziplin: Immer wieder findet sie wunderbare Beschreibungen und macht den Zauber ihres Buches für den Leser greifbar.

Der Dunkle Wald ist eine faszinierende eigene Welt, die in all ihrer Grausamkeit liebevoll detailliert gestaltet ist. Seine Geschichte enthüllt sich erst nach und nach und lässt Raum zum Interpretieren und Nachdenken.

Was mir persönlich ein bisschen gefehlt hat, sind die Emotionen der Figuren. Ich würde die Geschichte als modernes Märchen betrachten, und in Märchen erfährt man selten viel über die Gefühlswelt der Helden; daher ist es stimmig, dass man auch hier ein bisschen außen vor gelassen wird. Für meinen Geschmack hätte es dennoch zumindest etwas tiefere Einblicke geben dürfen. Besonders Agnieszka wäre sicher zugänglicher geworden, wenn ihre Empfindungen mehr hervorgehoben worden wären. Es war ungewohnt, eine Ich-Erzählerin zu haben, die einem immer ein wenig fremd erscheint. Beispielsweise ihre Freundschaft zu Kasia oder ihre Einstellung gegenüber dem Drachen hätten noch stärkere Konturen bekommen können.

(Für wen) Lohnt es sich?


Obwohl ich natürlich nicht sagen kann, wie das Buch jemandem gefallen würde, der wesentlich jünger oder älter als ich ist, wage ich zu behaupten, dass "Das dunkle Herz des Waldes" durchaus das Potenzial zu einem All-Ager hat. Der Märchencharakter der Geschichte macht sie alters- und zeitlos.
Jeder, der fantasievolle Romane mit Magie und dem Kampf gegen das Böse mag, sollte es mit diesem Buch versuchen.
 

In einem Satz:


"Das dunkle Herz des Waldes" ist märchenhaft, verwunschen, voller Bilder und in jedem Fall ein Buch, das unter Beweis stellt, dass nicht immer eine Reihe nötig ist, um eine große Geschichte zu entfalten.

 

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 17. Dezember 2016

Love and Confess - Colleen Hoover

Rezension zu "Love and Confess"
von Colleen Hoover


Taschenbuch: 400 Seiten
dtv Verlagsgesellschaft (20. November 2015)
ISBN-13: 978-3423740128
Originaltitel: Confess
 

Worum geht's?


Ich habe das Gefühl, dass wir uns ähnlich sind. Sie scheint eine Einzelgängerin zu sein, eine Grüblerin, jemand, der sein Leben ganz bewusst gestaltet.
Es ist, als hätte sie Angst, ich könnte ihrer inneren Leinwand Pinselstriche hinzufügen, die sie für immer verändern würden, wenn ich ihr zu nahe käme.
Und das kann ich gut nachvollziehen. Mir geht es nämlich umgekehrt genauso.
(Owen, S. 57)

Auburn hat in ihrem jungen Leben schon einige schmerzhafte Erfahrungen machen müssen. Nach fünf Jahren ist sie nun nach Dallas zurückgekehrt, wo sie damals ihre erste große Liebe verloren hat.
Als sie auf Owens Kunstgalerie stößt, ist sie fasziniert von seiner Inspirationsquelle: anonymen Bekenntnissen fremder Menschen, und auch der Künstler selbst zieht Auburn schnell in seinen Bann. Doch Auburn ist nicht die Einzige, die Geheimnisse hat, und die Gefühle, die sich zwischen Owen und ihr entwickeln, werden schnell auf eine harte Probe gestellt.

Was mich neugierig gemacht hat:


Ich kannte bisher nur den ersten Band von "Will & Layken" von Colleen Hoover. Da ich gern ihre Lesung in Frankfurt besuchen wollte (die dann zwar abgesagt, aber zum Glück im Herbst nachgeholt wurde), hatte ich mir überlegt, vorher noch eins ihrer anderen Bücher zu lesen, und habe mir "Love & Confess" gekauft.
"Weil ich Layken liebe" (Klick zu meiner Rezension) hatte mir gut gefallen, aber mich nicht so begeistert, dass mir viel davon im Gedächtnis geblieben wäre. Ich war neugierig, ob dieses Buch mich vielleicht mehr mitreißen würde.

Wie es mir gefallen hat:


Ich bin eigentlich nicht unbedingt eine Liebesromanleserin; für mich braucht es immer noch einen anderen Handlungsstrang, Intrigen, Geheimnisse oder ein besonderes Konzept. All das hat "Love & Confess" erfüllen können.
Ja, die Liebesgeschichte steht definitiv im Vordergrund, aber sie ist alles andere als eindimensional.

Die Grundidee mit den Kunstwerken, die sich aus anonymen Geständnissen entwickeln, gefällt mir sehr gut. Es sind sogar einige der Gemälde in den Text mit eingebunden, wenn auch nur in schwarz-weiß. Das Ganze sorgt für das gewisse Etwas und macht das Buch besonders.
Geheimnisse spielen natürlich eine große Rolle, und besonders Auburns hat mich völlig unvorbereitet überrascht. 

Genau wie ich es mag, gibt es einen Ich-Perspektivwechsel zwischen Owen und Auburn. Die beiden Erzählstimmen habe ich als sehr authentisch empfunden, und auch die Verbindung zwischen den beiden hat Colleen Hoover sehr gekonnt spürbar gemacht.

Obwohl man ihn kaum als aktiven Charakter im Buch erlebt, finde ich, dass Adam, Auburns erste große Liebe, eine unglaublich starke Figur ist, die mich sehr berührt hat.

Ich persönlich finde, dass es ein bisschen Colleen Hoovers Markenzeichen zu sein scheint, ein bisschen zu dick aufzutragen und es ihren Charakteren am Ende immer ein bisschen zu einfach zu machen. Nach dem großen, aufgebauschten Drama kommt die Lösung auch hier etwas zu simpel daher.
In meinen Augen hat die Autorin sich mit diesem Buch dennoch selbst übertroffen und ich freue mich darauf, noch weitere ihrer Geschichten für mich zu entdecken.

(Für wen) Lohnt es sich?


Ich kann das Buch an junge Erwachsene empfehlen, die emotionale Geschichten mögen, gerne mit den Charakteren mitfiebern und auch -leiden und auch vor einer Prise zu viel Schnulz und Drama nicht zurückschrecken.
 

In einem Satz:


"Love & Confess" ist ein Liebesroman, aber auch viel mehr als das: einfühlsam und echt erzählt Colleen Hoover von tiefen Emotionen, Geständnissen und Geheimnissen, von Opferbereitschaft und dem Halt und der Kraft, die Menschen einander geben können.

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