Donnerstag, 11. April 2013

Du oder ich - Elsie Chapman

Rezension zu "Du oder ich" von Elsie Chapman

Erscheinungsdatum: 01.04.2013  Verlag: Knaur
ISBN: 9783426653296, Fester Einband, 352 Seiten
Originaltitel: Dualed (Band 1?)

Für mehr Infos und zur Bestellung: Verlagsseite

Inhalt:


"Aber das ist der Grund, warum Kersh so stark ist. Weil man die Schwachen eliminiert."
"Es ist stark in Bezug auf Kämpfer und Krieg. Doch was ist mit den Dingen, die mehr aus uns machen als Maschinen, die uns menschlich bleiben lassen?" (S.85)

Die fünfzehnjährige West ist in Kersh aufgewachsen, der letzten kriegsfreien Zone der Welt. Doch die Stadt steht unter einer großen Bedrohung von außen. Die Lösung: Schon die Kinder werden zu Soldaten herangezogen.
Jeder Mensch hat einen Doppelgänger mit identischem Erbmaterial. Zwischen dem zehnten und zwanzigsten Lebensjahr erhält man den Auftrag, Jagd auf ihn zu machen. Ihn zu töten. Denn das ist der einzige Weg, um zu überleben.


Meine Meinung:

http://365daysofreading.com/wp-content/uploads/2013/02/dualed-elsie-chapman.jpg 
zum Cover:

Bei diesem Buch, gab es für mich eine Art Premiere: Mir gefällt sowohl das englische Original- als auch das deutsche Cover sehr.
Ersteres hat zwar einen stärkeren Bezug zur Geschichte und man kann sich sehr gut vorstellen, dass das Mädchen West ist, die durch eine Straße ihres Bezirks läuft. Letzteres spiegelt dafür mit dem starken Schwarz-Rot-Kontrast und den beiden gleichen Gesichtern meiner Meinung nach noch intensiver die düstere Stimme wider.

Während der kurze Text auf dem Buchrücken neugierig macht und viel Spannung verspricht, verrät die Zusammenfassung auf der Innenklappe für meinen Geschmack mal wieder ein bisschen zu viel.


zur Geschichte:

Obwohl auf dem Schutzumschlag "Thriller" zu lesen ist, wird schon nach wenigen Seiten klar, dass es sich bei dem Buch um eine waschechte Dystopie handelt. Nach meiner Beurteilung ist es beides und in jedem Fall außergewöhnlich.

Der Schauplatz ist eine Stadt inmitten einer Zukunftswelt, die von Kriegen zerrüttet ist. Doch Kersh ist keineswegs die Oase in der Wüste. Innerhalb ihrer Grenzen herrschen Gewalt und Misstrauen, besonders unter den Unvollendeten, jenen Bürgern, die ihren Auftrag noch nicht erhalten haben.
Im Laufe des Buches nimmt West den Leser in alle vier Bezirke mit: Jethro, Gaslight, Calden und Leyton. Jedes Viertel ist eine Welt für sich und der Autorin ist es gelungen, sie alle in ihrer Einzigartigkeit zu zeigen.
Die Hintergründe der Geschichte fand ich stimmig und ausreichend erklärt. Im Vordergrund stand jedoch mehr die Entwicklung der Protagonistin.

Der Plot besteht aus einem einzigen Strang, der zielstrebig auf das Ende zusteuert. Auch wenn ich selten das Gefühl hatte, unbedingt erfahren zu müssen, was auf der nächsten Seite geschehen wird, brannte ich doch darauf zu erfahren, worauf alles hinauslaufen würde.

Die Idee mit den Substituten (Doppelgängern), die sich gegenseitig jagen müssen, was eine Art natürliche Selektion herbeiführen soll, fand ich sehr originell und interessant. Wie sich das auf die Gesellschaft und das Leben der Individuen auswirkt, war überzeugend dargestellt.
Was mich ein wenig verwirrt hat, ist, dass die für Dystopien sonst so typische Erkenntnis der Protagonistin ausbleibt. Sie ergibt sich in das System, auch wenn sie damit alles andere als glücklich ist. Was ich davon halten soll, weiß ich noch nicht so recht. Ich habe aber gehört, dass es eine Fortsetzung geben soll. Vielleicht ist da ja noch etwas Rebellionsmäßiges in Aussicht.

Der Schreibstil zeichnet sich vor allem durch ungewöhnliche Bilder aus (z.B. werden alte Autos in einer Gasse als "ganz orange vom Rost, ausladende, städtische Sonnenuntergänge im Betondschungel" (S.134) beschrieben).
Zudem fand ich die Dialoge, vor allem zwischen West und Chord, sehr gelungen.

zur Protagonistin:
"Ich dachte, es wäre, als würde ich in einen Spiegel blicken und mich selbst ansehen, aber so ist es nicht. Nicht ganz. Der Unterschied ist so gering wie der zwischen dem eigenen Spiegelbild, das man betrachtet, und der Art, wie andere einen sehen. Es ist, als wären beide Gesichtshälften verkehrt zusammengesetzt, so dass kein Anblick der richtige ist. Als ich sie entdecke, denke ich: So also sehen mich die anderen." (S. 173)

Die Ich-Erzählerin West habe ich als sehr starken Charakter empfunden. Ihre Kaltblütigkeit zeugt von den Verlusten, die sie verkraften musste, und ihrer insgesamt schweren Vergangenheit sowie den Missständen der Gesellschaft. Ihre Bindungsängste wirkten sehr realistisch und die eher im Hintergrund stehende Liebesgeschichte authentisch.
Allerdings verstehe ich nicht, warum ihr das Töten so leicht fällt und sie nur vor ihrer eigenen Doppelgängerin zurückschreckt.
Außerdem hätte ich sie ohne die Altersangabe auf jeden Fall älter als fünfzehn eingeschätzt.

Fazit: 


"Du oder ich" überzeugt durch Spannung, Einfallsreichtum, eine starke Protagonistin und einen schönen Schreibstil.
Auch wenn es sich zwischendurch ein kleines bisschen zieht, hat mir das Buch insgesamt sehr gut gefallen.
Ich weiß nicht genau, ob es eine Fortsetzung geben wird, aber falls nicht, wäre die Botschaft eher kritisch zu betrachten.
Von mir gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung!



Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an:
http://4.bp.blogspot.com/-LQjHbhVvzbw/UCdK9xrJ6pI/AAAAAAAACWg/Gr53zwG4uA4/s1600/DroemerKnaur.png

Kommentare:

  1. Von dem Buch habe ich noch nie etwas gehört, aber es ist gerade auf meine WL gelandet ^^

    LG May

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