Montag, 22. Februar 2016

Infernale - Sophie Jordan

Rezension zu "Infernale" von Sophie Jordan


Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Loewe (15. Februar 2016)
ISBN-13: 978-3785581674
Originaltitel: Uninvited
Band 1


Worum geht's?


 Ich erkenne die blasse Gestalt kaum wieder. Die Angst in meinem Blick ist mir so fremd wie meine Umgebung. Ich schätze, auch mir ist das Mädchen mit dem Mördergen nicht geheuer. (S. 151)
Davy Hamilton hat ein Leben, von dem viele nur träumen: Sie stammt aus gutem Hause, ist musikalisch hochbegabt, hat gute Noten in der Schule, viele Freunde und einen Freund, um den sie selbst ihre beste Freundin beneidet.
Doch dann ändert sich von einem Tag auf den anderen alles: bei Davy wird HTS festgestellt - das Mördergen. Da die Träger dieses Gens als große Gefahr für die Gesellschaft gelten, weil sie früher oder später straffällig werden, verliert Davy nicht nur ihre sichere Zukunft, sondern auch ihre Familie und Freunde sehen sie plötzlich mit anderen Augen.
Dabei weiß Davy selbst ganz genau, dass aus ihr nie eine Mörderin werden wird, nur weil irgendein Gentest das behauptet. Oder?

Was mich neugierig gemacht hat:


Von Sophie Jordan habe ich vor über zwei Jahren den ersten Band ihrer Firelight-Trilogie gelesen, der mir gut gefallen, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte, sodass der zweite Teil immer noch ungelesen im Regal wartet.
Als nun "Infernale" herausgekommen ist, war ich neugierig, wie die Autorin mit dem im Vergleich doch wesentlich tiefschürfenderen Thema wohl umgegangen ist. Außerdem habe ich mich beim Schreiben meines eigenen Buches "Arbitrium - Was immer du willst" ebenfalls viel mit Fragen zum Thema Selbst- und Fremdbestimmung, Schicksal und freier Wille auseinandergesetzt und war gespannt, welche Gedanken dazu in "Infernale" auftauchen würden.

Wie es mir gefallen hat:


© HarperTeen
Vorab zuerst ein kurzer Eindruck zur Gestaltung: an sich finde ich die deutsche Version ganz gut gemacht, kein besonderer Eyecatcher, aber die Farbtöne sind schön gewählt, der Umschlag ist aus einem schönen Material, und das Zeichen am Hals passt natürlich gut zur Geschichte (auch wenn es da etwas anders beschrieben wird). Das Covermodel finde ich allerdings eher unpassend, da es A) älter aussieht, als Davy ist und B) auch sonst in keiner Weise so aussieht, wie die (blonde!) Protagonistin beschrieben wird. Da finde ich das Originalcover von HarperTeen doch ein bisschen besser gelungen - besonders das Spiel mit den "DNA-Strähnen" ist eine geniale Idee!

Aber kommen wir zur Geschichte selbst. Sophie Jordan hat mich hier in vielerlei Hinsicht positiv überrascht.
"Infernale" ist orginell, man ist von der ersten Seite an mitten im Geschehen, die wichtigen Charaktere sind vielschichtig und handeln meistens nachvollziehbar. Das Thema ist keine leichte Kost und stimmt nachdenklich; hier werden viele Fragen philosophischer, moralischer und pädagogischer Art aufgeworfen. Das war in Firelight, das ich eher als seichte Teeny-Romanze in Erinnerung habe, nicht der Fall.

Mit Davy haben wir eine sympathische Ich-Erzählerin, die uns durch die Geschichte führt. Bis auf wenige Kleinigkeiten blieb das Buch immer unvorhersehbar und hat immer wieder neue Wendungen genommen.
Durch verschiedene Informations-Schnipsel wie SMS-Gespräche, Mitschriften aus Sitzungen der für HTS zuständigen Behörde u.ä. wurde man mit spannenden Fakten über diese dystopische Welt der Zukunft versorgt, ohne dass die Autorin zusätzlich viele Erklärungen einbringen musste.

Es blieb spannend bis zur letzten Seite, und das Ende ist gut gemacht, einerseits offen, andererseits kein absolut gemeiner Cliffhanger. Man möchte den zweiten Band unbedingt lesen, kann die Wartezeit bis zum Erscheinen im Sommer aber noch aushalten.

Insgesamt hat mir das Buch richtig gut gefallen, und ich habe nur wirklich kleine Dinge zu bemängeln, wie einzelne Verhaltensweisen von Figuren, die manchmal nicht ganz glaubwürdig schienen oder dass die Autorin es ihren Charakteren gegen Ende vielleicht ein wenig zu leicht gemacht hat. Das kann jedoch den guten Gesamteindruck kaum schwächen.

(Für wen) Lohnt es sich?


Wenn ihr Dystopien mögt, in denen es nicht so sehr um die neuartige Hintergrundwelt geht, sondern die Menschen und die Art, wie sie miteinander umgehen, im Zentrum stehen, greift zu diesem Buch. Es ist vielseitig und behandelt wichtige Fragen rund um Selbstbestimmung, Vorurteile, die Angst vor Gewalt, Terror und Kriminalität und die Stempel, die Menschen anderen aufdrücken.
 

In einem Satz:

 

Sophie Jordan hat mit "Infernale" einen spannenden und tiefsinnigen Reihenauftakt vorgelegt, der meiner Meinung nach deutlich mehr zu bieten hat als ihre "Firelight"-Reihe und ein beängstigendes Szenario entwirft, das von unserer Alltagswelt vielleicht nicht mal in allen Punkten weit entfernt ist.

 

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar und die Organisation der Leserunde an

 



  

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